Links | Impressum


Der Sommer, traditionell Zeit für den Berliner Xiangqi-Sommerpokal, zog ins Land. Doch der Sommer 2017 war bald ohne Sommerpokal vorbei – denn die Schwierigkeiten, ein Spiellokal zu finden, welches seine Räumlichkeiten a) kostenfrei und b) ein ganzes Wochenende zur Verfügung stellte, blieben. Zu guter Letzt erinnerte man sich im Spätsommer an die Marzahn-Hellerdorfer Schach-Sektion des Sport-Clubs Eintracht Berlin, wo schon im März des Jahres der Elephanten-Cup reibungslos über die Bühne ging. Inzwischen drohte aus organisatorischen Gründen ein …

Sommerpokal im Herbst

Egal, das Turnier sollte nach Möglichkeit nicht ausfallen. Die Eintracht-Schachgruppe sagte zu und fand in Schachfreund Horst Schrodt eine „Küchenfee“ und einen technischen Turnierleiter, der im Alleingang für das reibungslose Drumherum des Turniers sorgte. Dafür vielen Dank! Man muss unbedingt erwähnen, dass Horst mit Xiangqi gar nichts am Hut hat!

„Xavier“ sorgte für Unsicherheiten

Im Vorfeld war ich angesichts von real 8 stehengebliebenen registrierten Voranmeldungen recht unsicher, ob die Teilnehmerzahl für die ausgeschriebenen 6 Runden Schweizer System ausreichen würde und fasste auch ein Jeder-gegen-jeden-Turnier bei 7 oder 8 Teilnehmern ins Auge. Denn Orkan „Xavier“ hatte u.a. für Probleme bei den Bahn-Anreisen von Hannover/Hamburg nach Berlin gesorgt, welche noch nicht abgebaut waren. Wen es via Bahn aus dem Nordwesten gen Berlin zog, der musste am Freitagabend bzw. am Sonnabendmorgen noch mit Umwegen und Ersatzverkehr, also auch Verspätungen, fertig werden.

24. Sommerpokal

Nichtsdestotrotz konnten wir die erste Runde mit 10 Unverdrossenen ansetzen (2 waren noch unterwegs, ließen sich sich aber ankündigen und gegeneinander setzen). Dazu kam noch ein elfter Teilnehmer, der nachträglich ins Feld eingefügt wurde. Berlin hat eben seine Tücken: diverse Straßennamen, kommen zwei-, dreimal (oder mehr) vor, und manchmal vergisst man, auf die richtige „Version“ explizit hinzuweisen. Unbedingt erwähnenswert ist auch, dass wir einen Gast aus Schweden begrüßen konnten: Rikard Skotnicki hatte auch früher schon mal an dem einen oder anderen Turnier teilgenommen und stattete der Hauptstadt extra eine erneute Visite ab und verband diese mit einem Xiangqi-Turnier!

Wegen der aktuell schwierigen Lage für die Bahnreisenden verfielen wir gemeinschaftlich auf die Idee, den 2.Spieltag auf 2 Runden zu verkürzen und die 4.Runde kurzerhand an die 3-Sonnabend-Runden anzuhängen. Bei der vorgesehenen Bedenkzeit (45 Minuten plus 30-Sekunden-Bonus pro Zug) hatten wir eine Circa-Dauer von 2 Stunden + Viertelstunde veranschlagt, es sollte also gehen.

Gleich im Verlauf der 1. Runde bekamen wir Herzflimmern: Das Berliner Derby zwischen Pascal und Richard zooooog sich, nach der laut den wartenden Kiebitzen überfälligen Einigung aufs Remis waren wir bereits eine Stunde über Plan. Heidewitzka, wenn das so weiterginge! Ging aber nicht so weiter, denn die nun folgenden Runden gingen knapp über 2 Stunden.

Am späten Sonnabend-Abend putzte sich der eine oder andere verwundert die Augen: Nicht Favorit Michael Nägler führte (er gewann in Runde 2 auch nicht gegen Pascal), sondern unser „Neuberliner“, Richard Gitter, hatte mit 3½ Punkten das Näschen vorne, nur verfolgt von Karsten Hoffarth und Michael Nägler mit 3 Punkten. Das versprach ein spannender Sonntag zu werden. Gleich in der Morgenrunde trafen beide aufeinander.

So, wie das Turnier begann – mit einer langen Runde – so endete es auch: Der Tabellenletzte kämpfte und kämpfte und kämpfte, machte mal einen kleinen Fehler, kämpfte und kämpfte, machte den nächsten Fehler, kämpfte und kämpfte, ... nach 83 Zügen war er dann vom erschöpften Pascal niedergekämpft. Nun, nachdem die 2 Sonntagsrunden herum waren, stellten wir fest, dass wir fast im ursprünglichen Zeitplan waren, der ungefähr für 3 Runden gedacht war (!). Noch rechtzeitig für eine pünktliche Abreise konnten die Ehrungen vorgenommen werden.

Pl.TeilnehmerRatingRd.1Rd.2Rd.3Rd.4Rd.5Rd.6PunkteBHW
1.Michael Nägler191604 s ½07 r ½11 s 105 r 102 s 103 r ½4,519,0
2.Richard Gitter140507 s ½04 r 106 s 103 s 101 r 008 r 14,518,0
3.Karsten Hoffarth190908 s 106 r 105 s 102 r 004 r ½01 s ½4,019,0
4.Bastian Gollmar179701 s ½02 s 009 r 107 r 103 s ½06 s 14,018,5
5.Rudi Reinders158711 r 110 s 103 r 001 r 009 s 1+4,015,5
6.Rikard Skotnicki133509 r 103 s 002 r 010 s 1+04 r 03,017,5
7.Pascal Bieg162202 r ½01 s ½10 r 104 s 108 r 011 s 13,017,0
8.Alfred Gitter148203 r 009 s 0+11 r 107 s 102 s 03,015,5
9.Guido Freyer160106 s 008 r 104 s 0+05 r 010 s 13,014,5
10.Daniel Wunderer1223+05 r 007 s 006 r 011 s 109 r 02,014,0
11.Olaf Kreuchauf111105 s 0+01 r 008 s 010 r 007 r 01,015,5


Erläuterung: In den Ergebnisfeldern stehen die Platzierung des Gegners, die angesetzte Farbe und das Resultat.
BHW = Buchholz-Wertung (mit einem Streichresultat).


Der Pokal und der 1.Geldpreis gingen an Michael Nägler, der kleinere Pokal (als Ratingpreis „unter 1650“ ausgelobt) sowie der 2.Preis gingen an einen famos aufspielenden Richard Gitter. Platz 3 und 4 kamen ebenfalls noch „ins Geld“, denn die eingezahlten Startgelder wurden vollständig wieder ausgeschüttet. Alle Ergebnisse lassen sich in der obigen Fortschrittstabelle ablesen.

Die Partien wurden auf Durchdruckformularen notiert, was eine Nachbetrachtung vieler Partien von Dritten möglich macht. Wir beabsichtigen, kommentierte Partien online zu stellen, aus denen jeder Xiangqi-Interessent sich etwas herausziehen kann. Fehler, Irrtümer, Patzer, taktische Feinheiten und Grobheiten – die Partien, ob kurz, ob lang, boten Einiges. Wir hoffen, in absehbarer Zeit, erste Ergebnisse präsentieren zu können.

Auf ein Neues im nächsten Jahr. Vielleicht gibt es dann bei mir nicht so viele „Ostereier“.

Olaf Kreuchauf